Gedanken zu “Du wolltest es doch” von Louise O’Neill

Ihr Lieben, 

dieses Buch habe ich mir gekauft, weil ich die Thematik sehr brisant finde und ich sehen wollte, was die Autorin aus diesem Buch gemacht hat. Vorab: 

Dies ist keine normale Rezension und ich möchte hier ausnahmsweise mit Spoilern arbeiten! Wer das Buch also noch lesen möchte klickt an dieser Stelle bitte den Beitrag weg! 

 

Du wolltest es doch

Autorin: Louise O’Neill

Verlag: Carlsen

Seiten: 368

ab 16 Jahren! 

Preis: 18,00 EUR (HC) 

Klappentext: 

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?  

 

 

Mir schwirren so viele Gedanken durch den Kopf, dass es mir sehr schwer fällt alle vernünftig zu Wort zu bringen! Aber die Thematik ist einfach zu wichtig, um darüber zu schweigen. 

Zu Beginn des Buches habe auch ich gedacht: “Mein Gott, ich mag diese Emma nicht” Sie ist arrogant und in meinen Augen eine beschissene Freundin. Sie ist nur auf sich selbst bedacht, aber versucht das immer zu verbergen, indem sie zu allen nett ist. Aber das ist nur gespielt. Wir erleben ihre wahren Gedanken und die machen sie wirklich unbeliebt. ABER! Das alles spielt keine Rolle mehr, wenn man erfährt, was Emma passiert ist. 

Ja, sie ist freizügig und liebt es mit ihren Reizen zu spielen und die Männer verrückt zu machen. Und ja, sie hatte bisher auch offenbar gerne Sex. Aber das alles ist überhaupt keine Begründung dafür einen Menschen zu vergewaltigen. Es gibt keinen Grund! Gar keinen! 

Was ihr passiert ist: 

Im Vollrausch wird sie von mehreren Jungs vergewaltigt und dabei werden Fotos von ihr gemacht. Einer kotzt ihr ins Gesicht, der andere pinkelt ihr ins Gesicht als sie bereits bewusstlos ist. Die Fotos werden ohne ihr Einverständnis gemacht und sie zeigen sexuelle Handlungen. Diese werden dann ins Netz gestellt und sie wird landesweit als Hure, Nutte, Schlampe beschimpft. 

Egal, ob ich mich besaufe, Drogen nehme, kurze Röcke trage oder flirte. Sobald ein Mensch nicht mehr in der Lage ist sich zu wehren (Bewusstlosigkeit, Volltrunkenheit, Trip), hat das Gegenüber jegliche sexuelle Handlungen einzustellen! Und es ist auch egal, ob ich mich vorher zum Sex bereit erklärt habe. Sollte ich selbst während des Aktes merken, dass ich das gar nicht möchte oder eine bestimmte Handlung nicht möchte und dies auch zeige, hat der Partner SOFORT aufzuhören! Und ganz ehrlich: Wie erniedrigend ist das angekotzt und angepisst zu werden?! Spätestens da müsste doch JEDEM Menschen klar werden, dass sie dies nicht freiwillig getan hat und nicht bei Bewusstsein war. Abartig!

Während des Lesens musste ich immer wieder an den Fall “Gina Lisa Lohfink” denken. Jeder wird hier wohl wissen, was ich meine. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viele gebrüllt haben: Die Schlampe ist das doch selber Schuld! Sie hat doch freiwillig Sex mit denen gehabt! Sie hat doch vorher schon Pornos gedreht. Und so weiter und so fort. Selbst in meinem Freundeskreis kamen solche Äusserungen und ich bin jedes Mal ausgerastet. Nein, man ist es nicht selber schuld! Man ist kein Freiwild nur weil man als Frau Sex mag und dazu steht. Sobald eine Frau während dem Akt NEIN sagt oder es mit ihren Handlungen äußert und der Mann trotzdem weitermacht, ist es in meinen Augen Vergewaltigung! Sollte die Frau aufgrund des Kleidungsstils damit rechnen vergewaltigt zu werden oder es damit billigend in Kauf nehmen?! Oh mein Gott, wenn ich sowas schon höre! Muss ich dann am FKK Strand auch damit rechnen vergewaltigt zu werden und bin ich dann auch selber Schuld? 

Ihr merkt schon, mein Gemüt hat sich während stark erhitzt und es tut mir leid, wenn das ihr alles etwas Zusammenhanglos erscheint! 

Die Eltern von Emma! 

Mir fehlen für solche Eltern einfach die Worte! Der Vater ignoriert sie einfach und schämt sich für sie. Die Mutter wirft ihr an den Kopf, dass sie ja an allem Schuld ist. Sie ist schuld, dass es der Familie schlecht geht und sie hat da keine Lust mehr drauf. Sie keine Lust mehr darauf Sorge dafür zu tragen, dass Emma sich nicht umbringt. 

Mein Mamaherz hat an so vielen Stellen geweint und geschrien und ich hätte Emma am liebsten in den Arm genommen, ihre Sachen gepackt und sie von da weggeschafft. Und sie nimmt sich alles zu Herzen und gibt sich selber an allem die Schuld. 

Das Buch hat kein Happy End und ganz ehrlich: Ich wüsste auch nicht, wie die Autorin dies zu einem Happy End hätte bringen können. Denn das gibt es in den meisten Fällen für die Vergewaltigungsopfer auch nicht! 

Abschließend möchte ich einfach nur sagen: 

Bevor ihr verurteilt, schaltet euer Gehirn ein! Und bitte liebe Frauen und Männer, die zu sexuellen Handlungen gezwungen werden: Seid nicht leise! Seid laut! IHR TRAGT KEINE SCHULD! 

 

4 thoughts on “Gedanken zu “Du wolltest es doch” von Louise O’Neill

  1. Wow, das war leidenschaftlich. Mir erging es beim Lesen gefühlsmäßig genau wie dir und ich kann dir in allen Punkten auch absolut nur zustimmen.

    Ich hoffe sehr, das dieses Buch noch ganz ganz viele Menschen erreichen wird und sie zum Nachdenken, ujd Diskutieren bringt, denn wir leben leider in einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Werte immer mehr sinken und wir oftmals lieber wegsehen, als uns einzumischen. 🙁
    Tolle Rezension.

    Liebe Grüße Ina

    1. Ja, ich bin so angepisst von dem gesellschaftlichen Verhalten. -.-

      Das hoffe ich auch sehr! Es ist so wichtig darüber zu reden!

      Liebste Grüße

  2. Aus diesem Grund raste ich regelmäßig aus wenn ich law and order svu gucke, da behandeln die ja auch solche Themen. Es wirkt manchmal so, als ob man als Frau halt schon damit zu rechnen hat vergewaltigt zu werden sobald man sich schick macht, kurze Kleider / Röcke trägt und dann auch noch Alkohol / ähnliches zu sich nimmt, dann ist man selbst schuld. Und es wird dann ja auch schwer es zu beweisen und nicht aufgrund der Umstände diskreditiert zu werden.

    Ich kenne das Buch nicht aber kann mir den Inhalt dank deines Beitrags sehr gut vorstellen, würde mich wahrscheinlich auch viel zu sehr aufregen!

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